Beiträge zur Qualifikation von Nachwuchs im High-Tech-Bereich
Nachwuchsprobleme bremsen Wachstum
Die Wirtschaft boomt. In der mittelständisch geprägten deutschen Realwirtschaft, z. B. im Maschinenbau, aber auch in Großunternehmen etwa der Automobilindustrie sind die Auftragsbücher voll. Hohe Nachfrage schaltet die Signale auf "Wachstum". Doch der wird gebremst, weil qualitativ hochwertige Arbeitsplätze nicht besetzt werden können. Mehr als ein Ärgernis angesichts hoher Sockelarbeitslosigkeit! Ein weltfremdes Szenarium? Keineswegs! In Europa gibt es viele Länder bzw. Regionen mit Nachwuchssorgen zumindest im High-Tech-Bereich. Zwei Gründe dafür :
Die Qualifizierung der Hochschulabsolventen reicht nicht (mehr) aus.
Auf Grund ausgeprägter Wohlstandsgefälle werden Studenten zu Migranten.
Der erste Grund ist für die Bundesrepublik Deutschland typisch, der zweite z. B. für die Balkan-Region.
Identifikation von Defiziten
Frontal-Vorlesungen allein reichen für eine praxisorientierte studentische Ausbildung nicht aus. Das ist unbestritten. Deshalb sind in die Lehre heute auch Seminare bzw. Übungen integriert. Praktika außerhalb der jeweiligen Hochschulen gehören dagegen nicht überall zum Standard. Und wenn sie stattfinden, ist ihr Beitrag zur Qualifikation von Studenten nicht unbedingt herausragend. Der Praktikant als "Mädchen oder Junge für alles" – diese Art Praktika haben wenig nachhaltige Wirkung, weder für den Einzelnen noch für die auf qualifizierten Nachwuchs wartende Industrie.
Eine Initiative aus Russe (Bulgarien)
In einem Balkan-Land, in Bulgarien, wurde ein Europa-weiter Beitrag zur Lösung des Nachwuchs-Problems im High-Tech-Bereich initiiert. Dabei handelte es sich um ein ERASMUS-Projekt, konkreter um die Etablierung eines European Technology Network (ETN), in dessen Rahmen das Dreieck "Lehre, Forschung, Innovation" im Bereich der Computer Science gestärkt werden soll. Die Grafik illustriert dieses "Dreieck" und deutet gleichzeitig an, dass die Lehre eine unabdingbare Grundlage sowohl für Forschung als auch Innovation ist und der Innovationsprozess sich im allgemeinen über eine Zeit erstreckt, deren Länge weit über die einer Hochschulausbildung hinausreicht.
Ein Team der Universität Russe unter Leitung von Tanja Smrikarova und Prof. Angel Smrikarov suchte in ganz Europa nach Partnern, stellte einen Antrag auf Förderung im Rahmen des ERASMUS-Programms und erhielt die Bewilligung.
Eine Kurzcharakteristik des Projektes European Technology Network
"Teaching, Research, Innovation" (ETN TRICE):
Projekttitel
European Technology Network „Teaching, Research, Innovation in Computing Education”
(ETN TRICE)
Programm
ERASMUS
Laufzeit
01.10.2008 - 30.09.2011
Partner
65 Unternehmen/Einrichtungen aus 32 Ländern
Partner aus D.
GFaI, IIEF GmbH, Comhard GmbH, HTW, EUROPANORAT Berlin, TU Ilmenau
Projektführung
Universität Russe (Bulgarien), Frau Tanja Smrikarova
Auswahl bisheriger Ergebnisse
Analyse der Verbindungen zwischen Ausbildung, Forschung und Innovation durch Umfragen im europäischen Maßstab
Forcierte Einbeziehung von e-learning und m-learning in die Lehre
Datenbasis mit Themen für Bachelor- und Masterarbeiten mit hoher Praxisrelevanz
Durchführung von fünf internationalen Konferenzen unter großer Beteiligung von Studenten
Integration von Studenten in praxisorientierte Forschungsprojekte jeweils im Ausland (practical placement), 2 allein in der IIEF GmbH, 3 weitere im GFaI e. V., deren Mitglied IIEF ist
Teilnehmer am ETN TRICE Workshop am 31. August 2009 in Berlin
Herr Dipl.-Ing. Andy Meyer (GFaI) bei der Präsentation der Akustischen Kamera auf dem ETN TRICE Treffen in Sofia (16.-20. Juni 2010)
ETN TRICE Meeting in Sofia (16.-20 Juni 2010)
Beiträge der IIEF GmbH
Wichtige Beiträge der IIEF GmbH zum Projekt bestanden in
der Betreuung einer studentischen Praktikantin und eines Praktikanten aus der Universität Russe (Practical Placement)
der Ausarbeitung thematischer Vorschläge für Master-Arbeiten im Europäischen Rahmen (Auszug mit Titeln dieser Arbeiten in der Tafel)
Analyse von Impulsen, die von Ambient Assisted Living (AAL) auf Facility Management ausgehen
Erarbeitung erster Ausbildungskonzepte im Bereich AAL
Vorschläge für Masterarbeiten
Beispiele für die Ausarbeitung aktueller praxisorientierter Themen durch die IIEF GmbH im Rahmen von Arbeitspaket 4
Lfd. Nr.
Thematik
1
Economic analysis of the application of wireless switch systems without batteries for the illumination of the interior of buildings
2
Reduction of energy for the heating of buildings by adaption to spatially and temporally differentiated requirements
3
Analysis of the business potential of service robots in facility management processes
4
Optimization of service routes on flat plane surfaces with forbidden zones
5
Design a station for changing from cars with composition engines to electro-bikes
Botschaften
Mittelständische Unternehmen sollten nicht nur ihre akuten Nachwuchssorgen und die für sie unzureichende Qualität von Hochschulausbildungen beklagen, sondern sich selbst für die Verbesserung der Situation engagieren. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Für die Intensivierung der Verzahnung von Lehre, Forschung und Innovation im Bereich der Informatik ist das European Technology Network TRICE ein hervorragendes Beispiel. Es zeigt, dass die Verbesserung der Ausbildung von Studenten im Hinblick auf deren späteres berufliches Engagement in Innovationsprozessen gelingen kann, und zwar sogar im internationalen Maßstab. Kurzfristige, gerade für mittelständische Unternehmen wichtige Effekte können sich schon durch den Einsatz von Studenten in Forschungsprojekten ergeben, wobei deren Rolle im Rahmen längerfristiger Innovationen deutlich gemacht werden sollte. Das Projekt ETN TRICE zeigt schließlich, dass auf Grund des EU-weiten Interesses an qualitativ hochwertiger, praxisorientierter Ausbildung gemeinsame Aktivitäten von Hochschulen und innovativen Unternehmen zur nachhaltigen Verbesserung der Ausbildungssituation auf europäischer Ebene auch finanziell gefördert werden können (im Fall von ETN TRICE durch das ERASMUS-Programm)
ETN TRICE Meeting am 16. Juni 2011 an der TU Wien (links Frau Tanja Smrikarova, die Projektleiterin)
ETN TRICE Meeting in Wien, links Herr Prof. Smrikarova)
Dipl.-Ing. Andy Meyer (GFaI), Frau Mag. Iris Fischl (KMU Forschung Austria) und Prof. Dr. Alfred Iwainsky (GFaI, IIEF) beim ETN TRICE Meeting in Wien (im Hintergrund die Akustische Kamera der GFaI als Exponat auf dem Projekt-Meeting und der angelagerten internationalen Veranstaltung CompSysTech11)